E-Werk Briefe

MEINE PERSÖNLICHE TOPOGRAPHIE DES Ss

Ich lasse mein Gehirn von einem Computer auspumpen. Astro ¬ Hättest Du etwas, das man als Rörchen verwenden kann?. Ich ¬ Hier. Er nimmt den Schein und verschwindet. Er hat immer noch dieses blasse Antlitz und diese grünen Augen, die mich während unserer ersten Begegnung in Bewunderung versetzt hatten. Détails-besessen klebe ich schon benutzte Stifte zueinander, um irgendeine Karambolage auf irgendeiner deutschen Autobahn zu erzählen. Mein Kunstwerk sieht so ordentlich, sauber und irgendwie diszipliniert-beeindruckend aus, daß es unter dem Titel :³Jetzt, Ordnung schaffen!³ propagieren könnte. Um technomäßiger zu propagieren, könnte ich natürlich die sogenannte Entwicklung à la wie Flugblätter zu Flyers werden benutzen. Astro habe ich letzen Sommer kennengelernt, nachdem ich mit einem Freund, beide völlig auf LSD, auf der Wiese vor dem Berliner Reichstag gefickt hatte. Sechs Monate lang sind wir uns einmal in der Woche an Orten begegnet, die wir aus verschiedenen Gründen zu besuchen pflegten. Gründe wie das Bedürfnis nach Abwechselung von Raum-Licht-Musik und dessen Auswirkungen zum Beispiel auf das Benehmen der Leuten, die auch diese Orte besuchten. Ich muß aber zugeben, daß dieses Bedürfnis meiner Geilheit diente.Ein paar Stunden nach unserer Begegnung befand ich mich mit Astro schon in einem Bett. Nach diesem Geschehen verhielt sich Astro mir gegenüber sehr zurückhaltend. Astro kam zu mir, gab mir den Schein zurück und sang mir das Lied von Paranoia vor:³ Fuck you for the synthetic roses!³. Ich leckte den elektrischen Stuhl einfach weiter. Wenn Astro meinen Sinn von Ironie nicht verstehen kann, patati, patata. Melodische, technotechnische Strahlungen berühren die rechte Hemisphäre meines Gehirns, als wären sie nach meiner sofortigen, guillotinemäßigen schneidenden Analyse ausgehungert. Astro ist um so irritierter, da ich gleichgültiger denn je bleibe. Ich schalte zweifächer ab.



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